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Scouts of Darkness
Wie ich bereits erwähnte, können Abenteuer für die neue “World of Darkness” gute Ideenquellen für UA-Abenteuer sein. Auf der Dorp gab es in den letzten Jahren eine Abenteuerreihe, die besonders geeignet ist. Inzwischen liegt sie überarbeitet in einer einzigen 203-seitigen PDF-Datei vor.
“Scouts of Darkness” ist eine Reihe von acht Abenteuern. Die Spieler verkörpern die “Scouts”. Sie werden immer wieder durch Zufall an Orten zusammengeführt, an denen etwas Übernatürliches passiert. Die Abenteuer selbst sind Gruselstücke und klassische Geistergeschichten und ziemlich subtil angelegt (was für meinen Geschmack bedeutet: stellenweise langweilig). Das Übernatürliche spielt zwar eine wichtige, aber häufig nicht die entscheidende Rolle, was die Abenteuer gut geeignet für UA macht.
Die Jungs von der Dorp haben mit den “Scouts of Darkness” eine wirklich schöne Abenteuerreihe abgeliefert, die mit relativ wenig Arbeit für UA umgeschrieben werden können und auch generell einfach gelungen ist.
Ein bibliomantisches Ritual











Messebericht RPC 2008
Die RPC ist vorbei und wir hatten viel Spaß. Diverse Exemplare vom neuen Abenteuer “Wetterleuchten” und vom nicht ganz so neuen “Leibwächter” wurden neben den restlichen Lite-Regeln verteilt und “Postmoderne Magie” ist genauso großartig, wie wir es alle erhofft haben.
Einen detaillierten, wenn auch sehr subjektiven Messebericht könnt ihr bei Interesse hier lesen. Ich war leider nur Samstag da, was aber für einen ausführlichen Eindruck reichte.
Tim Powers: Expiration Date
Wie beschreibt man Unknown Armies? “Ein Tim-Powers-Roman verfilmt von David Lynch” wäre eine Möglichkeit. Oder wie an anderer Stelle geschrieben wurde: Die surreale Welt von Tim Powers gemischt mit der Brutalität und den persönlichen Dramen aus James Elroys Romanen. In beidem Beschreibungen spielt Tim Powers eine Rolle, es lohnt sich also einen Blick auf seine Romane zu werfen.
“Expiration Date” war der erste Powers-Roman, den ich je gelesen habe. Soweit ich weiß, gibt es ihn leider nicht in deutscher Übersetzung. Ist man jedoch des Englischen mächtig genug, um einer komplexen Handlung zu folgen, lohnt sich der Lese-Mehraufwand.
Die Welt von “Expiration Date” sollte nicht zu ernstgenommen werden, auch wenn die eigentliche Geschichte ein Thriller ist. Los Angeles ist voller Geister, die von Geister-Junkies gejagt werden, um sie zu sniefen oder anderweitig zu konsummieren. Ein 11-jähriger Junge kommt zufällig in den Besitz von Thomas Edisons Geist und wird plötzlich von der halben Stadt gejagt. Der Geist des Genies hat Macht und die Geister-Junkies wollen diese Macht. Gleichzeitig wird ein Mann von seiner toten Zwillingsschwester angerufen und in eine alte Geschichte verstrickt, aus der er gehofft hatte heraus zu sein.
Powers Erzählweise ist bunt und direkt. Manchmal muss man ziemlich mitdenken, um seinen Gedanken zu folgen, doch das macht einen Großteil des Reizes der Geschichte aus. Es wird nie langweilig. Jede Seite drängt die Handlung nach vorn. Drei Handlungsstränge laufen auf Kollisionskurs und am Ende steht viel auf dem Spiel - viel für den Jungen und die anderen Protagonisten aber auch viel für die Stadt Los Angeles.
Ich habe gelesen, dass “Last Call” einen noch direkteren Einfluss auf UA haben soll (ich kenne das Buch nicht), doch wenn man “Expiration Date” liest, weiß man, wo Tynes und Stolze ihre Ideen her haben. Die Ideen sind allerdings sehr abgefahren und potenzielle Leser sollen sich dessen auch bewusst sein, bevor sie das Buch in die Hand nehmen, sonst kann es passieren, dass sie es kopfschüttelnd beiseite legen.
Zwei weitere Romane von Powers habe ich gelesen, doch keiner der beiden hat so ein UA-Flair wie dieser. “Die Tore zu Anubis Reich” ist eine großartige Zeitreise/Fantasy-Geschichte mit einem Werwolf, ägyptischen Magiern und berühmten Dichtern. Der Roman ist zugänglicher als “Expiration Date” (und auf deutsch zu bekommen) und vielleicht ein besserer Einstieg in die Welten von Powers. “Drawing of the Dark” habe ich damals nach ca. zwei Dritteln aus der Hand gelegt. Ein magisches Dunkelbier, eine Reinkarnation von König Artus in einem Wien, das kurz davor steht, von den Türken belagert zu werden - die Ideen waren mir eine Stufe zu abgefahren und ich verlor irgendwann den Zugang zum Buch. Schade eigentlich, denn ich höre nur Lobeshymnen über dieses frühe Werk von Powers.
“Expiration Date” kann ich als UA-Inspiration und alles pures Lesevergnügen jedem empfehlen, der des Englischen mächtig ist. Ich werde außerdem bald “Last Call” lesen - spätestens, wenn ich neue Impulse für UA brauche.