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Unknown Armies ist für mich …

06 Nov 2008

… ein James-Ellroy-Roman verfilmt von David Lynch.

Man könnte aber noch andere Namen nennen: Tim Powers zum Beispiel. Viele seiner Romane sind Unknown Armies in Reinform (und lieferten Tynes und Stolze einige Ideen). Oder der Film “Very Bad Things”: Eine Junggesellenabschiedsparty löst sich in Chaos auf, als die bestellte Prostituierte auf einmal tot ist und die Gruppe versucht die Leiche loszuwerden. Noch ein Film: “Ein einfacher Plan”. Zwei Brüder finden 4 Millionen Dollar im Cockpit eines abgestürzten Flugzeugs und behalten es. Der Pilot ist tot und niemand vermisst es, sie müssen also nur warten, oder? Dass die Brüder und die anderen Personen, die sie dann doch mit hineinziehen, eine größere Gefahr für sich selbst sind, als die Männer, die schließlich kommen, um das Geld zu suchen, ist in so einem Film - wie auch in Unknown Armies - eine Selbstverständlichkeit.

Ein weiteres Beispiel: “No Country for Old Men”. Als die Brüder Coen den Roman von Cormac McCarthy lasen, müssen sie gedacht haben: “Oh, mein Gott! Das ist ja wie Fargo, nur ohne den Humor.” Wieder geht es um Geld, das jemand findet und daraufhin um sein Leben fürchten muss. Es geht also um etwas, das ein paar Leute ganz stark wollen (viel Geld) und wieder bleiben eine Menge Leichen zurück. Film und Buch sagen uns, dass Gewalt siegt. Ist das nicht auch häufig so bei UA (und im Rollenspiel allgemein)?

Auch Neil Gaiman darf in so einer Aufzählung nicht ungenannt bleiben. Er nimmt alte Geschichten - Mythen und Legenden, ja sogar Götter - und versetzt sie in unsere Moderne Welt. In “Niemalsland” lebt ein König in einem U-Bahn-Zug. In “American Gods” trifft ein Mann auf den Gott Odin und viele andere alte Götter - aber auch moderne wie “Geld” oder “Welt”. In “Anansi Boys” stellt ein Mann fest, dass sein Vater die irdische Verkörperung eines westafrikanischen Spinnengottes ist. Gaiman macht also das gleiche wie UA, oder was glaubt ihr, ist Pornomantie anderes als die moderne Form der Magie, die schon seit Menschengedenken aus Sex und Weiblichkeit gezogen wird?

Aber dann komme ich doch wieder zu James Ellroy und David Lynch zurück. In Ellroys Geschichten gibt es Fanatiker, Intrigen, Gewalt, verwirrende Verwicklungen und Verbrechen; es gibt eine starke von den Personen nach vorn getriebene Handlung. In Lynchs Filmen findet man Zeitschleifen, plötzlich verschwundene Leute, surreale Szenen und ungelöste Rätsel. Lynch macht Magie modern, indem er uns zeigt, dass manche Dinge nur als Magie angesehen werden, weil wir noch keine Erklärung dafür haben. Eine Mischung von diesen beiden: Das ist für mich Unknown Armies. Vielleicht ein kleiner Schuss Gaiman dazu.

13 Responses to “Unknown Armies ist für mich …”

  1. 1
    Tom Says:

    Wenn ich so ne gute Schreibe hätte wie Du, dann wäre es so ziemlich dasselbe was UA für mich ist.

  2. 2
    amel Says:

    Danke für die Blumen. Aber von dir bekommen wir trotzdem noch ein “Für mich ist …” oder? Irgendwas muss doch anders sein :-)

  3. 3
    Tom Says:

    Ich hab schon damit angefangen… :D

  4. 4
    grasi Says:

    Unknown Armies ist für mich … Chuck Pahlaniuk verfilmt von Terry Gilliam.

  5. 5
    amel Says:

    Oh ja! Die beiden hatte ich ganz vergessen.

  6. 6
    Tom Says:

    @grasi,
    bist herzlich eingeladen auch einen Artikel zu schreiben, wenn Du magst.

  7. 7
    grasi Says:

    gerne, wenn mir mal wieder was anderes durch den Kopf geht, als grippaler Schleim.  ;)

  8. 8
    Wendigogo Says:

    Unknown Armies ist für mich … Paul Auster verfilmt von David Cronenberg

  9. 9
    Tom Says:

    @Wendigogo,
    auch für dich gilt, schreib ruhig auch einen Artikel. :)

  10. 10
    sim Says:

    UA ist für mich wenn du aufwachst, weil an deiner Tür sturmgeklingelt wird. Völlig fertig vom letzten Abend im Club fährst du dir durch die verwuschelten Haare, schaust auf die Uhr und seufzt laut auf. Dann stehst du auf, schnappst dir von irgendwoher ein T-Shirt, kratzt dich am Sack und schreist laut *FICK DICH, ICH KOMM JA SCHON!*, obwohl du genau weißt, dass man es draußen nicht hören kann. Du schlurfst an den Wäschebergen im Schlafzimmer vorbei, bemerkst kurz den verfaulten Geruch aus deiner Küche, bis du dich daran erinnerst, dass du dich eigentlich daran gewöhnen wolltest. Dann tastest du dich durch die Dunkelheit der Diele, stößt schmerzhaft mit dem Zeh gegen die Kommode mit dem Internetzeug (wofür brauchte man nochmal Router, Modem, Splitter, Wandler und den ganzen Scheiss?), schaust kurz durch deinen Türspion und stockst, als du einen Hühnerkopf erblickst. Du blinzelst und schaust nochmal, aber der Hausflur ist offensichtlich leer. Langsam fühlst du mit deinen Fingern deinen Unterarm entlang und bist erleichtert, dass du keine Nadelstiche findest. Trotzdem etwas beunruhigt machst du das kleine Sicherheitsschloss auf, die beiden Ketten und den Panzerbalken, murmelst unmotiviert *ex nihilo* und öffnest die Holztür mit Stahlummantelung. Vor dir steht ein fetter, haariger und unrasierter Mann, der unglaublich nach Schweiß stinkt. Er trägt ein Kleid aus schwarzem Stoff mit Spitzen, das ihm viel zu klein ist, seine Brusthaare quillen aus dem Dekolletée und man sieht sein wackelndes erregtes Glied durch den fast durchsichtigen Rock. Er tanzt von einem Fuß auf den anderen, aber es läuft keine Musik. Er schwitzt, aber es sind gefühlte 0 Grad. Kelvin. Irgendwas ist falsch. Das Gesicht kommt dir bekannt vor, du kannst keinen Namen zuordnen. Das Huhn in seiner rechten Hand ist offensichtlich tot und schwingt herum.
    Ihr schaut euch in die Augen.

    “ONKOCHROMAGRAPOFILETTÖMIERUNG!”

    -

    “Hä?”

    Irgendetwas ist falsch.

    Ihr schaut euch in die Augen. Aber seine Haare sind nicht mehr fettig, nur verwuschelt. Es ist heiß geworden, obwohl du nicht mal mehr die Unterhose hast. Er trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift *Du bist schuld!*.

    Irgendwas ist falsch.

    Ganz langsam schließt er die Tür und lässt dich auf dem Flur alleine. Das Licht geht aus. Dir wird kalt. Das Huhn baumelt gegen dein behaartes, beschweißtes Bein.

  11. 11
    sim Says:

    verdammt
    in der 11ten zeile ist ein kurz zu viel, das zweite. kann das einer wegmachen? ^^

  12. 12
    Tom Says:

    @sim,
    erledigt.

  13. 13
    Orakel Says:

    Unknown Armies ist für mich …

    Ein „Samsas-Traum“-Album, bei dem sich Jonathan Meese und Timm Ulrichs ums Artwork gekloppt haben. Eine von Metaphern und düster-fröhlicher Musik getragene Geschichte, die von Bildern Untermalt wird, deren Inhalt pure Lebenswut oder durchdachte Ironie, die einem förmlich anspringt, darstellt. Immer im totalen Streit zueinander. Offen und ehrlich mit dem Kopf durch die Wand.

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