offizieller Unknown Armies Redaktionsblog

Das Haus der Renunziation

8. Mai 2008 at 14:04

Game Geeks - Unknown Armies

Kurt Wiegel hat es getan, denn viele haben ihn darum gebeten:

3. Mai 2008 at 11:53

Automaten, Enten und der Schreiber

Has he lost his mind?
Can he see or is he blind?
Can he walk at all
Or if he moves will he fall?
Is he alive or dead?
Has he thoughts within his head?
We’ll just pass him there
Why should we even care?

- Iron Man
Black Sabbath


Der Wortstamm von Automat ist aus zwei altgriechischen Stämmen zusammengesetzt und bedeutet etwa von selbst tun, sich selbst bewegend.

- Wikipedia

Du bist ja so veraltet.
- Unknown Armies Grundregelwerk zum Thema Mechanomanten

Du weiß gar nicht wie veraltet du wirklich bist! Leute die gerne an Dingen rumgeschraubt haben gab es schon bei den alten Griechen. Die Story von Ikarus kennst du sicher. Das war der Typ der zu nah an die Sonne geflogen ist. Sein Vater war Daidalos (daidallein heißt so viel wie kunstvoll arbeiten) und der war ein echter Mechanomant. Seine gebauten Figuren sollen lebensecht gewesen sein und sein Name war im ganzen Land bekannt. Er hat auch die Flügel entworfen mit denen er und sein Sohn von der Insel Minos entkommen wollten und das Labyrinth für den Minotaurus hat er auch gebaut. Er war ganz sicher von Hephaistos gesegnet. Das war einer der alten Götter der mit Fahrzeugen herumfuhr und sich Automaten-Dienerinnen baute. Okay, niemand weiß ob es die wirklich gab, aber dafür kennt jeder diesen Archimedes!

Heron von AlexandriaArchimedes, Heron, Euklid und Pythagoras (dem ein oder anderen begegnet man ja irgendwann mal in der Schule) gab es wirklich. Da die vier Jungs aus Alexandria kamen rechnete man ihre Verdienste der Alexandrinischen Schule zu. Heron z.B. war Mathematiker und Ingenieur und baute Tempeltüren die sich wie von Geisterhand öffneten oder Musikmaschinen. Klingt zuerst nicht besonders beeindruckend, aber wenn man überlegt, dass das schon gut 2000 Jahre her ist (+/- 300 Jahre) – Wow! Heron hatte auch Ideen für Vögel die mit den Flügeln schlugen und zwitscherten, dazu Zaubermaschinen die Wasser in Wein verwandelten (die Geschichte hat dann ein anderer Typ noch mal ohne Maschine bewerkstelligt) oder auch Weihwasser rausrückten wenn man eine kleine Spende daließ.

Drehen wir die Uhr mal nach vorn – Nächster Stopp Hochmittelalter!

Thomas von AquinThomas von Aquin (Dominikaner, Philosoph, Theologe, Heiliger in der römisch katholischen Kirche; 1225–1274) und sein Lehrer Albertus Magnus brauchten wohl Schutz, denn warum sonst sollten sie wohl einen Türsteher bauen? Er soll die Ankömmling mit „Salve“ begrüßt haben und gefragt haben, was die Reisenden wollten, bevor die Besucher eintreten durften. Faszinierend wie das ein Automat aus Metall, Holz, Wachs und Leder hinbekommen hat! Leider gibt es diesen Automaten nicht mehr, denn Thomas zerschlug ihn eines Tages da ihm das ständige Gefrage auf die Nerven fiel.

Wichtigste Erfindung war jedoch das Uhrwerk. Das Herz eines jeden Uhrmachers. Damit waren die Wasseruhren total out. Im frühen 14. Jahrhundert gab es dann schon diese tollen Uhrenspiele mit kleinen Männchen die sich Hämmer auf die Köpfe hauten und von einem zum anderen Haus auf festen Bahnen wanderten.

Wir befinden uns jetzt in der Renaissance. Waren Mechanomanten der Alexandrinischen Schule nur in der Lage Modelle zu bauen, so war es jetzt möglich auch menschengroße Modelle zu bauen. Da Vinci zum Beispiel hat sich daran versucht. Er hat nämlich nicht nur die Mona Lisa gemalt und Flugmaschinen konstruiert. Leonardos Automat konnte seine Arme bewegen, sich aufsetzen und seinen Kopf drehen. Sein französischer Kollege Salomon de Caus war auch ganz erfolgreich, aber noch etwas altmodisch. Er entwickelte die Automaten von Heron weiter und stattete den Palast des Herzogs von Burgund in Saint-Germain bei Paris mit Figuren aus. Er benutze keine Uhrwerke sondern hielt am Wasser fest. Er war aber eine Koryphäe auf dem Gebiet der lebensgroßen Automaten und an vielen Königshöfen gab es Konstrukte die auf seine Pläne zurückgingen. Man darf gar nicht darüber nachdenken welche Könige und Fürsten vielleicht durch solche Automaten ersetzt wurden…

Karl V. (1500-1558) hatte übrigens auch Spaß an diesen kleinen Spielereien und sein Ingenieur Juanelo Turriano (der auch so langweilige Dinge machte wie Toledo mit Wasser zu versorgen) baute nach Karls gezwungener Abdankung einige kleine Kunstwerke zur Aufheiterung. Turriano war im übrigen ein äußerst mächtiger Mechanomant – Er hatte einen Automaten der für ihn einkaufen ging. Schaut man sich die Technik dieser Zeit an, sieht man, dass viele Methoden unabhängig voneinander wiedererfunden worden sind, was ja nicht verwunderlich ist, wenn man für jedes Meisterwerk ein Teil seiner Erinnerung aufgeben muss…

Weiter in der Zeit: 18. Jahrhundert – Hochzeit der Automaten!

Wolfgang von Kempelen war ein Scharlatan. Er hat die Kunst nie verstanden. Er baute den Schachtürken, steckte einen armen Kerl hinein und ließ ihn Schachspielen. Kempelen wollte keine Opfer bringen für die wahre Mechanomantie – wie armselig. Klar, er hat als Ingenieur was geleistet aber ein Adept war er nicht. Alles Betrug!

Die EnteJetzt kommen wir zum großen Meister. Der dicken Hose der Uhrmacher. Der Entenmacher Jacques de Vaucanson (1709–1782) kam 1735 nach Paris. Automaten waren gerade ganz großes Kino, doch zuerst beschäftigte er sich mit Anatomie. Sein erstes Projekt war der Schäfer. Er konnte Flötespielen, hatte Lippen, Mund, Zunge – war aber kein anatomisches Modell. Blasebälge und Uhrwerke waren die Antriebe des Schäfers und er sorgte für großes Aufsehen in dem guten alten Jahr 1738. Er baute noch einen Schäfer, der Flöte spielte und sich auf einem Tambourin begleitete. Vaucansons Traum war es, einen akkurat funktionierenden künstlichen Menschen zu kreieren, doch es sollte nur eine Ente sein. Aber was für eine! Die Ente bestand aus 400Jacques de Vaucanson Einzelteilen (das passt in kein Überraschungsei), konnte mit den Flügeln schlagen, schnattern, Wasser trinken und (halt dich fest) verdauen: Sie pickte Körner, verdaute die Körner in einem künstlichen Darm und… na ja es kam auch wieder raus, in naturgetreuer Konsistenz wie es heißt. Der Darm bestand aus einem Gummischlauch – dem ersten seiner Art (wurde von Jacques nebenbei erfunden). Vergiss Furby – hol dir die Vaucanson-Ente!

Voltaire sagte über Vaucanson übrigens: „Der kühne Vaucanson, Gegner von Prometheus, schien, die Natur nachahmend, das Feuer des Himmels zu nehmen, um die Körper zu beleben.“ Leider war das auch Vaucansons letzter Automat, man darf nicht fragen welchen Preis er für den Bau der Ente wohl bezahlt haben mag. Es gibt übrigens kein erhaltenes Exemplar von Vaucansons Automaten. Wo die Ente heute lebt ist nicht bekannt.

Pierre Jaquet-DrozNun kam das Ganze in Schwung. Das Vater & Sohn Team Pierre & Henri-Louis Jaquet-Droz bauten zusammen mit ihrem „Mechaniker“ Jean-Frédéric Leschot gegen 1770 ein Dreigestirn an Automaten, die sogar heute noch funktionieren und für Mechanomanten eine Pilgerreise wert sind (Die Reise geht ins Schweizer Kanton Neuenburg: 803 km² groß, 169,640 Einwohner). Die Automaten tourten bereits durch ganz Europa, wurden wie Rock-Stars empfangen und konnten gegen einen kleinen Obolus besichtigt werden. Der SchreiberDer krasseste Automat ist der Schreiber: 70cm hoch, Gänsekiel in der Hand, sitzt vor einem kleinen Tisch, bewegliche Augen, beweglicher Kopf und er schreibt jeden beliebigen Text von 40 Zeichen Länge und ist seit 1770 in Betrieb! Der Text wird auf einem Rad codiert und ein Buchstabe nach dem anderen wird abgearbeitet. Zuerst taucht der Schreiber seinen Kiel in die Tinte, schüttelt überflüssige Tinte ab und dann schreibt er alles fein säuberlich auf, setzt die Feder auch ab, schreibt mehrzeilig und beachtet Leerzeichen.

Die letzten großen Künstler die noch in der goldenen Zeit lebten und noch nicht alt waren, waren die Magier. Keine Adepten oder so. Nein, die Bühnenmagier, Illusionisten und Unterhaltungskünstler. Houdin (nein, nicht Houdini, sondern Jean Eugène Robert-Houdin) war einer von ihnen. Kluger Kopf und guter Ingenieur wenn es um Automaten ging. Stammte aus einer Uhrmacherfamilie. Gab nur einen der noch besser war: Stèvenard. Franzose, Magier und Zeitgenosse von Houdin. Er war ein unglaublicher Mechanomant, baute kleine aber hochkomplexe Apparaturen und stellte sie in einem Pariser Automatentheater aus. Stèvenard hatte einen Zauberer gebaut, der konnte 10 Minuten lang eine Show abliefern – total irre! Vögel so groß wie Fliegen, Gegenstände die auftauchten und wieder verschwanden, ein unfassbares Meisterwerk.

Soweit die Geschichte der Automaten. Man sieht gleich, damals waren die Mechanomanten ganz vorne dabei. In gewisser Weise sind sie ja tragische Figuren, denn sie haben durch ihre fortschrittlichen Ideen und ihren konstanten Blick in die Zukunft die Technik vorangebracht und so ihre heutige Bedeutungslosigkeit herbeigeführt. Aber sie hatten zumindest ihren großen Auftritt auf der Bühne und verschwunden sie ja nicht. Unter einigen Adepten geht ja das Gerücht um, dass der Schreiber von Jaquet-Droz noch einen Code enthält und das die Vaucanson-Ente noch irgendwo auf der Welt wartet um die Mechanomantie noch einmal in ein goldenes Zeitalter zu führen.

Mein Dank geht an Crisis & gemüse-ghoul die im Okkulten-Untergrund auf die Geschichte der Automaten verwiesen.

4. April 2008 at 21:28

Plots, Plots, Plots

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20. März 2008 at 14:59

Neues zur PoMoMa

» by Daniel in: Unknown Armies |

Aus dem Forum des okkulten Untergrundes munkelt man, dass die PoMoMa pünktlich zur RPC erscheinen wird, dazu heißt es von Jasper:

Puh! Hier mal zum Stand der Dinge: Das Buch ist seit Samstag komplett fertig gesetzt, mit Leerstellen für die noch ausstehenden Bilder. Die kamen heute tatsächlich punktgenau: Zwei Magieschulen (Thanatomantie und Tempomantie) und die Kapiteleinleitungen (die genau so cool sind wie die schon gezeigten Grin). Ich habe heute einen Index erstellt und eine Endabnahme gemacht, bei der noch ein paar unbedeutende Vertipper gestellt wurden, die Dirk jetzt gerade korrigiert. Dann setzt er die Bilder in den fertigen Satz und dann…und dann…sind wir fertig! Kanns kaum glauben, aber wenn jetzt nicht noch der Unsichtbare Rat die Druckerei abfackelt, legen wir wirklich zur RPC eine Punktlandung hin Cheesy. Tim hat sich heute von der Druckerei versichern lassen, dass wir noch gut in der Zeit liegen.

Achja: 190 Seiten Hardcover sinds jetzt geworden.

An alle gespannten Gerüchtezuträger: Ich habe alle Namen, die mir zugegangen sind, ins Impressum aufgenommen. Es ist zwar am Ende einfach aus Platzgründen nicht jedes Gerücht ins Buch gekommen (zumal Dirk beim Satz aus meiner Auswahl noch mal eine Auswahl getroffen hat), aber ich fand, dass ein Dankeschön an alle, die so fantasiereich mitgesponnen haben, einfach angebracht war.

Halleluja, dieser Brocken von einem Buchprojekt nähert sich dem Ende…und das nicht durch Selbstmord oder Verlagsinsolvenz, sondern durch Veröffentlichung!

19. Januar 2008 at 01:18

Prestige - Meister der Magie

Jeder große Zaubertrick besteht aus drei Akten: Der erste Akt heißt ‘Das Versprechen’: Der Zauberer zeigt Ihnen etwas Gewöhnliches, aber in Wirklichkeit ist es natürlich alles andere als gewöhnlich. Der zweite Akt nennt sich ‘Die Wendung’: Der Zauberer lässt sein gewöhnliches Etwas etwas Ungewöhnliches tun. Wenn Sie jetzt nach dem Geheimnis suchen, werden Sie es nicht finden. Deshalb gibt es den dritten Akt, ‘Das Prestige’ genannt. Dies ist der Teil mit den Drehungen und Wendungen, in dem Leben auf dem Spiel stehen und Sie etwas Schockierendes sehen werden, was Sie noch nie zuvor gesehen haben.
- Cutter
Prestige - Meister der Magie

The PrestigeRobert Angier (gespielt von Hugh Jackman) und Alfred Borden (gespielt von Christian Bale) sind Zauberkünstler. Beide versuchen in den Schauspielhäusern und Theatern Londons das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Treten sie zuerst noch gemeinsam mit ihrem Mentor und Erfinder Cutter (gespielt von Michael Caine) auf, entwickelt sich nach dem Tod von Angiers Frau eine erbitterte Feindschaft zwischen den beiden Männern, die die englische Hauptstadt zur Jahrhundertwende zum erzittern bringt. Von Rache getrieben entwickelt sich aus der Fehde schnell eine leidenschaftliche Feindschaft, deren Ende kaum abzusehen ist. Unfähig und unwillig die Rivalität zu beenden steuert alles auf eine Katastrophe zu, bei der nicht nur Magie sondern auch die Wissenschaft eine Rolle spielt.

Ich erinnere mich noch gut an den Kinoabend. Selten ging ich so begeistert aus dem Kino. Der Film hat einfach alles: Eine großartige Besetzung (Christian Bale gefällt mir mit jedem Film besser; Scarlett Johanssons, da muss man nicht mehr sagen; David Bowie als Tesla ist genial; Hugh Jackman kann auch noch was anderes als Wolverine und Michael Caine ist einfach Michael Caine), eine großartige Handlung die nicht nur mysteriös beginnt, sondern auch einen Twist aufweißt der ins Phantastische und sogar in den Horror mündet, so was bekommt man einfach selten zu sehen und dann ist da noch die Erzählweise die Christopher Nolans Film so aufregend macht. Der Film beginnt mit einer Szene im Wald und vielen, vielen Hüten. Bevor es zu einer Auflösung kommt vergeht allerdings erstmal viel Zeit. Man muss diesen Film gucken und mitdenken – heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr wenn man ins Kino geht. Immer wieder Schnitte und Zeitsprünge, verzweigte Handlungsebenen und Enthüllungen, die wieder etwas neues Verschleiern: Der Film ist ein einziger Zaubertrick und er funktioniert, er funktioniert sogar verdammt gut.

Die Magier

Auch die Bühnenbilder, Kostüme und das London zur Jahrhundertwende lassen den Zuschauer das Dunkle des Wohnzimmers bzw. des Kinos schnell vergessen. Es passt einfach alles zusammen. Christopher Nolan der mit Memento bereits auf sich aufmerksam machte, hat mit Prestige einen wirklich guten Film produziert. Man muss schon genauer hinsehen um Schwäche zu erkennen. Vielen wird vielleicht das Ende missfallen (ich persönlich fand es genial), auch einige Längen könnte man dem Film anlasten und das einige Figuren ein wenig untergehen (vor allem Scarlett Johanssons Rolle), aber insgesamt sollte man sich Prestige nicht entgehen lassen. Und während des Guckens sollte man Alfred Bordens Frage im Hinterkopf behalten: „Schauen Sie auch genau hin?“

Tesla

Der Film basiert übrigens auf einer Buchvorlage von Christopher Priest, die wir in einigen Tagen auch vorstellen werden.

Links:
Homepage des Films

The Prestige ist ein sehr schöner Film, der sich noch dazu super für UA aussschlachten lässt.

Zwei Bühnenmagier in lebenslanger Fehde. Das ist schon allein cool.

Noch dazu ist Christian Bale eindeutig ein Personamant, der lebenslang seiner Umgebung gemeinsam mit dem seinem Helfer/Zwilling etwas vormacht, und mit den magischen Ladungen aus diesem Spiel seine Tricks aufbläst. Finde ich ein supercooles Charakterkonzept: Bühnenmagier und Adept. Geht natürlich auch mit Dipsomantie, Epideromantie, Entropomantie… Und außerdem sieht man in dem Film mal, was Obsessionen mit einem anstellen können.

Hugh Jackmann lässt sich vieleicht am ehesten noch als Mechanomant darstellen. Gemeinsam mit Tesla entwickelt er ein Ritual, bei dem auf einen Schlag all seine Erinnerungen in einen Doppelgänger transferiert werden. Dieser bringt das “Original” dann um, Abend für Abend. Oder?

Quelle: Jasper Nicolaisen